Pressemitteilung zur Demo am 30.05.2020

Marburg, 31.05.2020

Pressemitteilung zur Versammlung
Weiterdenken Marburg / Kritik an Corona-Maßnahmen
(als pdf hier)

Am 30.05.2020 versammelten sich etwa 70 Menschen vor der Marburger Stadthalle, um gegen die Einschränkungen von Grundrechten zu protestieren. Eine Gruppe von besorgten Menschen aus Marburg und Gießen hatte die Versammlung organisiert (weiterdenken-marburg.de). Sie wollen damit eine Plattform für Meinungsaustausch, Information und Protest rund um die Beschränkungen von Freiheitsrechten im Zuge der widersprüchlichen und unverhältnismäßigen Infektionsschutzmaßnahmen der Regierung schaffen.

In den Redebeiträgen zeigte sich die Vielfalt der Menschen, die die aktuelle Politik mit Sorge verfolgen. Gabriel Schnizler zeigte in seiner Rede den weiteren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext auf. Dr. Frank Michler kritisierte unsaubere wissenschaftliche Studien, mit denen Politik gemacht und der Ruf der Wissenschaft untergraben werde. Violetta Winterberg war es wichtig, die Herzen der Menschen zu erreichen. Eine Apothekerin warnte vor Gesundheitsgefahren durch abgesenkte Sicherheitsstandards bei einer beschleunigten Impfstoff-Entwicklung. Sie forderte, dass ein unbedenklicher Sars-CoV-2 Impfstoff (falls es je einen geben sollte) frei verfügbar gemacht werden sollte, die Entscheidung für oder gegen die Impfung müsse jedoch frei sein. Sie dürfe nicht durch Einschränkungen für nicht Geimpfte erzwungen werden. Emilia Sophie Rahim kritisierte, wie mit absurden Antisemitismusvorwürfen demokratischer Protest diffamiert würde. Der Einladung eines „offenen Mikrofons“ sind mehrere Versammlungsteilnehmer spontan gefolgt. In weiteren spontanen Redebeiträgen gab es neben Kritik an der als einseitig wahrgenommenen Presseberichterstattung auch Zuspruch für vereinzelte Zeitungsberichte, in denen kritische Stimmen zu Wort kamen. Der Arzt Michael Thiel erinnerte an Skandale und Impfschäden im Zusammenhang mit dem Milzbrand-Impfstoff.

Die Demonstration verlief, abgesehen von Störungsversuchen einer Gruppe von Gegendemonstranten, friedlich. Die Zusammenarbeit mit den Ordnungsbehörden und der Polizei war durchweg konstruktiv.

Statements von Rednerinnen und Rednern

Die im Folgenden aufgeführten Beiträge sind die persönlichen Meinungen und Einschätzungen der Redner. Offener Diskurs und das einander Zuhören ist den Veranstaltern ein wichtiges Anliegen. Durch das Angebot des „offenen Mikrofons“ ergaben sich auch einige spontane Redebeiträge. Auf der Versammlung am 16.05.2020 am Elisabeth-Blochmann-Platz sprach z.B. auch eine Rednerin, die die Regierungspolitik unterstützte, da sie die Gesundheitsrisiken bezüglich des Sars-CoV-2 Virus als sehr hoch einschätzte.

Gabriel Schnizler

Gabriel Schnizler eröffnette seine Rede mit einem Verweis auf die zeitgleich in Berlin stattfindenden Proteste gegen die Air Base Ramstein. Dazu forderte er:

“Schließt die Air Base Ramstein! Keine Beteiligung an völkerrechtswidrigen Drohnenmorden!“

Weiter mahnte er, das Schicksal des in Großbritannien festgehaltenen politischen Gefangenen Julian Assange nicht zu vergessen:

„Freiheit für Julian Assange, an dem ein Exempel statuiert wird, indem er in Großbritannien ‚zu Tode gefoltert wird‘ (Nils Melzer, Sonderberichterstatter für Folter der UN), weil er mit seiner publizistischen und journalistischen Tätigkeit demaskiert hat, wie sich hinter den Fassaden unserer kapitalistischen Elitendemokratien verschworen wird.“

Im weiteren ordnete er die aktuellen Entwicklungen in einen weiteren Kontext ein:

„Wir haben ein Problem mit einer unvorstellbaren Akkumulation von Geld und Macht in den Händen so weniger Personen und Institutionen, in denen entpersonalisierte, anonymisierte, verantwortungslose Strukturen ihre eigenen Dynamiken und Sachzwänge produzieren. Bei gleichzeitiger Marktintegration nahezu aller Lebensbereiche (Bildung, Wissenschaft, Medien, Politik, allg. Daseins- und Gesundheitsvorsorge, NGOs, usw.) in eben diese Strukturen und aggressiver Deregulierung, Liberalisierung und Privatisierung dieser Märkte in den letzten 30 Jahren, führt das zu einer nie dagewesenen globalen Herrschaft der Besitzenden und Vermögenden, die sich in diese Strukturen einkaufen können über die (Oxfamstudien zur Vermögensverteilung, wenige Personen sind reicher als ärmere Hälfte der gesamten Menschheit), die es nicht können.“

„Wenn demokratisch nicht legitimierte Gremien und Institutionen wie IWF (Bargeldabschaffung), Davos (ID2020), G20, G8, private Sitftungen oder einzelne Superreiche, sei es aus noch so edelen Motiven, Entscheidungen über die Einrichtung unserer Welt für 7 Milliarden Menschen treffen, dann sind das Machtexzesse. Der zivilisatorische Fortschritt zur Verhinderung von immer wiederkehrenden blutigen und mörderischen menschenverachtenden Machtexzessen ist es, Macht demokratisch einzuhegen. Das ist . Demokratie!

„Die Reaktion hat in den letzten 30 Jahren weitgehend unbemerkt und verheerend zugeschlagen. Die Konservierung demokratisch nicht legitimierter Macht ist aggressiver denn je, was wir gerade daran erleben, wie skrupellos und menschenverachtend das Establishment Kritik an seinen Maßnahmen und Narrativen sowie demokratischen Veränderungs- und Aufklärungswillen von bis zu 30% des souveränen Verfassungsvolks mit Diffamierung, Pathologisierung und Kriminalisierung, kurz Hetze und Abwertung, unterdrückt. Die Restauration von Macht, die bereits demokratisch eingehegt war, ist weit fortgeschritten und wird aggressiv weiter voran getrieben.“

Dr. Frank Michler (Biologe, Software-Entwickler)

Dr. Frank Michler kritisierte wie mit unsauberen wissenschaftlichen Studien Politik gemacht und das Ansehen der Wissenschaft untergraben werde. Er führte als Beispiel eine aktuelle Studie aus Göttingen an, welche bereits in vielen Zeitungen zitiert wurde. Diese Studie wollte die Einschränkungsmaßnahmen gegen COVID-19 als richtig und wirksam „beweisen“, indem sie ein SIR-Modell an die Fallzahlen der Sars-CoV-2-Positiven in Deutschland angepasst hat.

Michler sagt dazu: „Die Studie von Jonas Dehning et al. aus der Gruppe von Viola Priesemann hat einen gravierenden Mangel. Sie ignoriert, dass die zugrundeliegende Datenbasis der bestätigten COVID-19 Fälle durch die Ausweitung der Test-Kapazitäten stark verzerrt wird. Diese Kritik an den COVID-19 Zahlen ist so offensichtlich, dass sie schon vor Monaten in Tageszeitungen besprochen wurde. Die Autoren verwendeten diese Daten dennoch, ohne die Testausweitung in ihrem Modell zu berücksichtigen. Sie gehen darauf noch nicht einmal im Diskussionsteil der Arbeit ein. Eine derart eklatante Unterlassung durch die Autoren und die Gutachter macht mich fassungslos und untergräbt mein Vertrauen in eine der führenden wissenschaftlichen Zeitschriften – Science.

Dr. Michler hatte seine Kritik auch in einem Leserbrief zu dem Science-Artikel dargelegt.

Violetta Winterberg

Violetta Winterberg empfindet sich als spirituell und sieht Corona als Chance für die gesammte Menschheit. Ihr Statement ist folgendes: „Corona, die große Krise, der Wertewandel, der Weg zurück nach Hause. Wir sprechen sehr viel über das Grundgesetz. Es gibt ja auch die Menschenrechte. Aber wie sieht denn die Wirklichkeit aus? Wie behandeln wir Menschen uns gegenseitig? Wie behandeln wir unsere Mutter Erde? Wie behandeln wir unsere Freunde, die Tiere? Wir haben jetzt die Möglichkeit neu zu beginnen! Ein neue, demokratische Gesellschaft, gemeinsam aufzubauen. Eine neue, bessere, gerechtere Welt, für uns alle! Lasst uns gemeinsam friedlich für unsere Werte einsetzen. Die Zeit ist mehr als reif! Lass uns gemeinsam die Chance der Krise nutzen wieder dass zu sein was uns ausmacht. Herzmenschen, liebende mitfühlende Wesen, die füreinander da sind.“

Teodora (Apothekerin)

Teodora, eine Marburger Apothekerin, forderte freie Impfentscheidung ohne staatlichen Zwang:

„Während meiner Doktorarbeit habe ich an der Entwicklung antiviraler Wirkstoffe gearbeitet, zur Zeit arbeite ich in der Pharmaindustrie – ich bin also nicht grundsätzlich gegen Impfungen oder neuartige Therapieansätze. In der aktuellen Situation, die von bewusster Panikmache und einseitiger Darstellung der Information dominiert wird, sehe ich allerdings einige Gefahren, die auf uns zukommen. Man hört immer häufiger die Aussage „Hoffentlich kommt schnell die Impfung“. Die Europäische Arzneimittelagentur hat das Zulassungsverfahren für jegliche Medikamente vereinfacht, die irgendwie in Verbindung mit Covid-19 gebracht werden können. Das kann Vorteile haben, trotzdem nimmt die wissenschaftlich und ethisch korrekte Entwicklung von Medikamenten viel Zeit in Anspruch. Und ob man es noch glaubt oder nicht – es gibt außer Covid-19 auch andere schwere Erkrankungen, gegen die auch neue Medikamente gebraucht werden.

Aus der Geschichte sind viele bittere Beispiele mit schwerwiegenden Folgen bekannt, bei denen ein wichtiges Zulassungskriterium – das Nutzen-Risiko-Verhältnis – entweder ignoriert oder verzerrt dargestellt wurde – unbewusst oder auch bewusst.

Wenn wir eines Tages einen wirksamen und unbedenklichen Impfstoff gegen das SARS-CoV-2 hätten, sollte jeder, der sich impfen lassen möchte, die Möglichkeit haben, es zu tun, aber jeder, der sich dagegen entscheidet, sollte auch das Recht haben, frei und selbstständig über sein Leben zu entscheiden, ohne dafür mit gravierenden Einschränkungen bezahlen zu müssen.“

Emilia Sophie Rahim

Emilia Rahim äußerte ihr Unverständnis über haltlose und absurde Antisemitismus-Vorwürfe von Gegendemonstrantinnen und -demonstranten. Sie sei selbst teils semitischer Abstammung und eng mit der jüdischen Kultur verwoben und könne das nicht verstehen.

Weiter kritisierte Emilia zunehmende Zensur im Internet und Diffamierung von Regierungskritikern:

„Seit sich vermehrt Widerstand in der Bevölkerung regt, werden auf nicht nachvollziehbare Weise Beiträge zensiert, Interviews und Videos gelöscht, Menschen festgenommen, Versammlungen gewaltsam aufgelöst und die kritischen Stimmen werden einhellig in die Ecke der Antisemiten, Rechtspopulisten und Verschwörungstheoretiker gestellt. So haben Menschen sich gegenseitig schon immer diskreditiert und zum Schweigen gebracht. Bloß nicht auf die Inhalte eingehen, bloß nicht aufrecht und reif Stellung beziehen.“

Spontaner Redner

Ein weiterer Redner kritisierte in einer spontanen Rede gezielte Versammlungs-Störungen, zu denen unter anderem die Marburger Gruppe „antifa gruppe 5“ aufgerufen hatte. Er fragte: „Wie nennt man Antifaschisten, die sich wie Faschisten verhalten?“

Michael Thiel (Arzt)

Michael Thiel, ein seit vielen Jahren im Bereich der Neurologie tätiger Arzt, warnte vor zu großer Hoffnung auf einen bedenkenlosen Impfstoff gegen Coronaviren in absehbarer Zukunft.

„Ich erlebe diesbezüglich sehr viele Menschen als äußerst naiv“, sagte Thiel. Vielerorts würde aktuell eine drastische Verkürzung der Entwicklungsdauer propagiert. Dies sei ohne gravierende Einschnitte in die erforderlichen Prüfstandards und damit die Anwendungssicherheit nicht denkbar.

Andererseits zeige ein Blick in die Geschichte, dass Korruption auf höchster Ebene auch und gerade für die Pharmaindustrie absolut kein Tabu sei. Als besonders drastisches Beispiel erinnerte er an die zwangsweise Einführung eines nicht einmal durch die zuständige Stelle – die US-Zulassungsbehörde FDA – zugelassenen Impfstoffes gegen Anthrax (Milzbrand) in den 90er Jahren, eingefädelt durch den damaligen US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Dieser war auch Aufsichtsratsmitglied und über viele Jahre Aufsichtsratsvorsitzender eines anderen Pharmaunternehmens (Gilead), und habe es verstanden, seine Position äußerst gewinnbringend einzusetzen. Gilead hat u.a. das weitgehend wirkungslose Grippemittel Tamiflu entwickelt und dieses mit Hilfe der später hochgepuschten Vogelgrippe-Panik zu Geld gemacht. Gilead ist im Übrigen auch Hersteller des aktuell im Zusammenhang mit Corona beworbenen Mittels Remdesivir.

Damals wurden über 2 Millionen Menschen zwangsgeimpft mit einer Nebenwirkungsrate von 85 Prozent. Viele der Betroffenen seien heute noch gelähmt oder litten an anderen chronischen Störungen wie Gedächtnisverlust oder chronischen Kopfschmerzen.

„Dieselben Leute, die das seinerzeit skrupellos – und selbst in den USA ohne großes öffentliches Echo auf die Folgen – durchgeführt haben, sind heute mit der Forderung nach einem schnellstmöglich zur Verfügung stehenden Medikament gegen Covid-19 wieder aktiv, teils in der gleichen Firma, und wollen ihre finanziellen Interessen mit allen Mitteln durchsetzen.“ Hierzu bedienten sie sich bereitwilliger Politiker und einer in großen Teilen die Ängste der Bevölkerung gerne bedienenden Presse.

Spontane Rednerin

In einem weiteren spontanen Redebeitrag sagte eine Marburgerin:

„Dass mittlerweile auch die Frankfurter Rundschau nicht mehr nur systemrelevante Berichte bringt, sondern neben einem Interview mit Prof. Dr. Streeck, auch ein gespräch mit dem Arzt Dr. Bernd Hontschik über die Fehler der Politik, die Lehren aus der Pandemie und Alternative Modelle der Daseinsvorsorge veröffentlichte. Ein Gespräch, in dem sich Dr. Hontschik empört über atemberaubende Sprüche der Politiker, wie „die Gesundheit habe zu 100 Prozent Vorrang“. Er empört sich darüber, dass die Gesundheit noch nie Vorrang gehabt hätte, schon gar nicht zu 100 Prozent. Sie hatte beim Nachtflugverbot keinen Vorrang, nicht bei den hospitalinfektionen, nicht beim Glyphosat, nicht beim Tempolimit, nicht bei der Energiewende, und schon gar nicht bei der Wertschätzung und Bezahlung der Pflegekräfte.“

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